Allergie: Was ist das überhaupt?

Kleine Ursache, große Wirkung. Wissenschaftlich ausgedrückt sind Allergien eine von der Norm abweichende, übersteigerte Reaktion des Organismus auf bestimmte Stoffe der Umwelt, die man als Allergene bezeichnet. Diese sind, anders als Krankheitskeime, Substanzen, die für die meisten Menschen völlig ungefährlich sind. Stuft das Immunsystem eine Substanz als Allergen ein, führt dies zu Symptomen wie geröteten, geschwollenen Augen, triefender Nase, Entzündungen, Schwellungen, Juckreiz, Rötungen der Haut bis hin zu asthmatischen Anfällen.

Was passiert genau? Das Allergen verbindet sich an der Oberfläche besonderer Abwehrzellen mit speziellen körpereigenen Eiweißstoffen, den Immunglobulinen. Die Abwehrzellen reagieren daraufhin mit der Ausschüttung des Gewebshormons Histamin, das die bekannten Symptome hervorruft.

Unter einer Kreuzallergie versteht man die Neigung, bei einer bereits bestehenden Allergie auch auf andere Allergene zu reagieren, die biologisch oder chemisch mit dem ursprünglichen Allergen verwandt sind.

Jeder Mensch reagiert anders. Oft sind es nicht einzelne Substanzen, die eine Allergie ausbrechen lassen, sondern es ist eine Kombination mehrerer. Die Kombinations-Möglichkeiten sind dabei sehr vielfältig, und jeder Betroffene kann auf eine ganz spezifische Zusammensetzung von Allergenen auf seine individuelle Weise reagieren. Dem einen tränen die Augen, der andere hat Atembeschwerden. Daher ist es für Arzt und Allergiker oft Detektivarbeit, die Ursache für die Beschwerden herauszufinden.

Woher kommen Allergien? Als Allergie-Auslöser können sowohl Substanzen aus der Natur wie aus der Chemie in Frage kommen. Auch Stress und genetische Veranlagung spielen eine große Rolle. Es gibt auch Vermutungen, dass unser Körper innerhalb nur weniger Generationen mit einer Vielzahl von Stoffen konfrontiert wurde, die der Organismus „nicht kennt“ – Chemikalien, aber auch fremde Nahrungsmittel, die den Organismus „irritieren“.

Wer ist besonders gefährdet? In den ersten 6. Lebensmonaten eines Menschen ist die Gefahr, zum ersten Mal an einer Allergie zu erkranken, besonders groß. Deshalb sollte bei Kleinkindern der Kontakt zu Allergenen möglichst minimiert werden. Experten halten es für sinnvoll, ein halbes Jahr oder länger zu stillen, um das Risiko zu verringern, mit der Babynahrung die ersten allergenen Stoffe zu verabreichen. Allergien können sich aber auch erst im höheren Alter einstellen. 50-60% beträgt das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, wenn beide Eltern Allergiker sind, 30-40%, wenn ein Elternteil, 10-15%, wenn kein Elternteil Allergiker ist.

„Langweilt“ sich unser Immunsystem? Unser Immunsystem schützt sich im Normalfall durch die Bildung von Antikörpern vor Krankheiten. Heute aber kommt man in den sog. entwickelten Ländern durch wesentlich verbesserte Hygiene – kritisch betrachtet durch zu viel Hygiene - mit viel weniger Krankheitserregern in Kontakt. Außerdem wird dem Immunsystem heute durch vorbeugende Impfungen oder Medikamente ein Großteil seiner Arbeit abgenommen. Einige Wissenschaftler vermuten deshalb, dass unser Immunsystem nicht mehr ausreichend ausgelastet ist, sich neue Betätigungsfelder sucht und auf eigentlich ungefährliche Stoffe reagiert. Gestützt wird diese Vermutung auch durch die Beobachtung, dass in Ländern, in denen Kinder sehr früh in einem Hort mit vielen anderen Kindern - und dadurch auch mit vielen Krankheitserregern - in Berührung kommen, die Zahl der Allergieerkrankungen niedriger ist.

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